Deutschland Meldungen

02 Jan 2017

ifo-Chef: 2017 wird ein schlimmes Jahr für Sparer

»Es könnte das allerschlechteste Jahr für Kleinsparer seit langem werden«, so Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts laut dem Nachrichtendienst reuters. Schuld sei laut dem Professor für Volkswirtschaftslehre an LMU München die steigende Inflation, die in Deutschland auf 1,5 Prozent zulegen werde, während die Zinsen weit darunter verharren werden. »Das heißt, das Vermögen der Bürger wird so stark wie lange nicht mehr entwertet«.

Fuest, der nach eigenen Angaben für ordoliberale Positionen steht, hält die aktuelle Euphorie an den Börsen nach der Wahl von Donald Trump für übertrieben. Auch Trump müsse sich mit der Verschuldung Amerikas auseinandersetzen, die seine Spielräume begrenzt. In Bezug auf Europa erwartet Fuest, der ebenfalls Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ist, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Anleihekäufe anders als derzeit angekündigt schneller beendet oder deutlicher als bisher geplant reduzieren wird. Die Käufe hält Fuest aus Sicht der Eurozone für generell vertretbar, da sie die Zinsbelastung der Krisenstaaten reduziere und den Euro-Kurs gedrückt habe.

Die Bankenaufsicht muss der EZB entzogen werden

Deutschland sei durch die Niedrigzinspolitik benachteiligt. Fuest schlägt vor, dass Euro-Länder mit hohen Defiziten Nachranganleihen abgeben müssen. Bei Finanzschwierigkeiten eines Staates würden diese verfallen und nicht, wie bislang als Last auf die Steuerzahler anderer Euro-Länder abgewälzt werden.

Auch die aktuelle Rettung der krisengeschüttelten italienischen Bank Monte dei Paschi sei ein solches Beispiel und diene darüber hinaus einmal mehr als Beleg, in welchem Ausmaß permanent Regeln seitens der EZB unter Draghi gebrochen werden. Die Bankenaufsicht müsse der EZB entzogen werden, so der ifo-Chef weiter. Dann könnten solche Interessenkonflikte vermieden werden.

Man muss nur aufhören, Steuergeld für Klientelpolitik aus dem Fenster zu werfen

Fuest kritisierte die Äußerung von SPD-Chef Sigmar Gabriel, der nach sozialdemokratischer Manier Steuergeld »Investitionen« ausgeben möchte. Für Steuersenkungen sei »genug Geld da. Man muss nur aufhören, es für Klientelpolitik aus dem Fenster zu werfen äußerte sich auch zur Diskussion um Steuersenkungen in Deutschland. Als Beispiel dafür nannte er die Rente mit 63.

Finanzminister Schäubles Hantieren kommentierte der Ifo-Chef mit den Worten: »Angesichts der guten wirtschaftlichen Lage müssten wir eigentlich höhere Überschüsse haben. Er hat keinen großen Beitrag zur Sanierung des Haushalts über Kürzung von Staatsausgaben geleistet«. Seine Leistung bestünde aber darin, dass nicht noch mehr Geld ausgegeben worden sei, so die wenig tröstliche Bewertung Fuests. (BS)

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