Deutschland

Roland Tichy (Bild: Marcus Harzem; BWT24_0112.jpg; CC BY 2.0; siehe Link)
09 Jan 2017

Die Jagd ist eröffnet

Offensichtlich wurde erneut zum Halali geblasen. Wenn auch noch nicht erlegt, so doch durch die Handlangern des staatlich-medial Meinungsblocks angeschossen, wurde nun Roland Tichy, Noch-Herausgeber von »Tichys Einblick« und seit Montag Ex-Herausgeber von XING-Klartext.

Am vergangenen Freitag löschte der liberal-konservative Internetblog »Tichys Einblick« (TE) einen Meinungsartikel des Autors Jürgen Fritz (hier nachzulesen). Der Autor hatte sich in seinem Artikel mit dem Thema »Warum Sie mit psychopathologisch gestörten Gutmenschen nicht diskutieren sollten« auseinander gesetzt und erhielt binnen zwei Tagen hierfür über 10.000 Facebook-Likes.

Unverständlich: TE löscht 

Nach der Löschung des Artikels am Wochenende ist nun an dessen Stelle auf Tichys Blog zu lesen: »Der Beitrag  „Warum Sie mit psychopathologisch gestörten Gutmenschen nicht diskutieren sollten“ hätte hier nicht erscheinen dürfen. Unterstellung von Pathologie ist für TE keine politische Diskussionsbasis. Davon distanzieren wir uns ausdrücklich. Roland Tichy und Redaktion bedauern das und bitten um Entschuldigung. «

Zur Hintergrundinformation sei erwähnt: Roland Tichy, ehemaliger Chefredakteur der Magazine Impulse und Euro sowie der Wirtschaftswoche ist Herausgeber des Monatsmagazins »Tichys Einblick« wie auch – bis vor kurzem zumindest – Herausgeber von »XING Klartext«, einer Plattform für Debattenbeiträge, die wiederum zum börsennotierten Betreiber des sozialen Netzwerkes XING gehört.

Und just im Netzwerk XING regte sich ob des – an und für sich unaufgeregten – Artikels von Jürge Fritz massiver gutmenschlicher, sprich linker Unmut. Öffentlichkeitswirksam wurde von besonders erzürnten XING-Mitgliedern kommuniziert, dass man die XING-Mitgliedschaft kündigen werde. Besonders aktiv hierbei und in vorderster Front Mathias Richel, Kreativ-Direktor der Social-Media-Agentur TLGG, die unter anderem das Bundeswirtschaftsministerium zu ihren Kunden zählen darf. Richel verkündete auf Twitter und Facebook mit Verweis auf den benannten Fritz-Artikel und Tichys Blog seinen baldigen Austritt aus dem Xing-Netzwerk und ermutigte andere ebenfall zu diesem Schritt.

Bild: Screenshot Twitter

Tichy tritt als Herausgeber zurück

Ungeachtet der Tatsache, dass das Berufs-Netzwerk XING und XING Klartext personell nicht miteinander verknüpft sind: Funktioniert hat die linke Strafaktion – der Blog Sciencefiles nennt es das »Beleidigten-Leberwurst-Syndrom« – trotzdem.

Zum einen entfernte Roland Tichy mit einer Entschuldigung den kritisierten Artikel von seinem Blog. Zum anderen wurde eine Kampagne – von links-grünen Aktivisten – wie das Internetmagazin Philosophia-Perennis vermutet – losgetreten, die sodann einen Folgeerfolg verbuchen konnten: Roland Tichy trat als Herausgeber von XING Klartext  zurück. Auf seiner Blogseite schreibt Tichy: »Das hat aber nicht zur Ruhe geführt. Stattdessen erhielt ich Morddrohungen«

Weiterhin führt Tichy aus: »Des weiteren startete eine massive Kampagne gegen XING. Das kann ich nicht akzeptieren und gutheißen. Ich habe mit viel Engagement und Herzblut als Herausgeber von XING News gearbeitet und das Produkt mit aufgebaut. Die Vielzahl und die Breite des Spektrums der abgebildeten Meinungen bei XING Klartext haben gezeigt, dass es zu keinem Zeitpunkt zu inhaltlichen Überschneidungen gekommen ist. Klartext, die Firma XING und seine Mitarbeiter sind mir ans Herz gewachsen. Ihnen zuliebe trete ich mit sofortiger Wirkung vom Posten des Herausgebers zurück

Abschließend teilt Tichy mit: »Wo ein Ende ist, ist auch ein Anfang. Mit XING Klartext und Tichys Einblick haben sich zeitgleich zwei sehr erfolgreiche Internetmarken entwickelt. Ich werde mich in Zukunft auf Tichys Einblick konzentrieren und dazu beitragen, dass Heft und Internet-Magazin weiter schnell wachsen. Deutschland braucht auch und gerade im Jahr des Bundestagswahlkampfs kritische und mutige Stimmen.«

Die Jagd ist eröffnet

Echte Kündigungen aber habe es aber seit dem Aufruhr am Wochenende bei XING nicht gegeben – jedenfalls nicht mehr als sonst auch, so die FAZ mit Berufung auf XING-Aussagen. Das Unternehmen verabschiedete sich von Tichy mit Dank und »Respekt«. Er sei »einer der renommiertesten Journalisten Deutschlands« und habe entscheidend geholfen, das Portal »Xing Klartext« aufzubauen, ein „Debattenformat, das vom Prinzip der Rede und Gegenrede lebt, das kontroverse Debatten ermöglicht und so Meinungsblasen vermeidet«.

Der Umgang mit Tichy ist, neben den unsäglichen Kampagnen gegen den Kopp-Verlag oder Henryk M. Broders Blog »Achse des Guten«, nur das aktuellste Beispiel dafür, was auf all jene in naher Zukunft zukommen wird, die nicht mehr gewillt sind, im staatlich-medial verordneten Meinungsblock mitzumaschieren. Die Jagd auf diese politisch und medialen Ausscherer scheint eröffnet. (BS)

 

Der Links-Staat von Christian Jung & Torsten Groß


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