Deutschland

Nur die Hälfte der tatsächlichen Einbruchszahlen wurden den Oberhausener Bürger nzugemutet (Bild: metropolico.org)
12 Jan 2017

»Geschönte« Einbruchzahlen in Oberhausen

Beinahe doppelt so viele Einbrüche, wie offiziell von der Polizei verkündet, sollen im nordrheinwestfälischen Oberhausen stattgefunden haben. Die Manipulation der Kriminalstatistik wird von der Behörde damit gerechtfertigt, dass man nur mit den »wichtigsten Zahlen« an die Öffentlichkeit gehe, um nicht einen »Zahlenwust vorzulegen«. Das würde Journalisten und Bürger nur »verwirren«.

Wie es scheint, ist die Manipulation der Kriminalitätsstatistik im hoch immigrierten nordrheinwestfälischen Oberhausen aufgeflogen. Die in diesem Jahr wieder ritualmäßig durch den obersten Behördenchef persönlich vorgetragene Kriminalstatistik scheint »geschönte« Zahlen aufzuweisen.

Zahl der Einbrüche fast doppelt so hoch wie in der offiziellen Kriminalitätsstatistik präsentiert

Im Bereich der Einbruchskriminalität hat, wie die WAZ-Gruppe berichtet, die Oberhausener Polizeiführung besondere »Kreativität« walten lassen und nicht die kompletten Fallzahlen präsentiert. Denn nur ein kleiner Ausschnitt wurde dem Bürger durch die Polizei zur Kenntnis gebracht. Wie sich nun herausstellt, ist die Zahl der Einbrüche fast doppelt so hoch wie es die offiziell präsentierte Kriminalitätsstatistik der Oberhausener Polizei ausweist.

Wie eine Kleine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Wilhelm Hausman im Innenministerium des hochumstrittenen Innenministers, Ralf Jäger (SPD), aufzeigt, gab das Polizeipräsidium nur die Zahlen von Einbrüchen in Wohnungen und Geschäften heraus. Nicht veröffentlich aber sind Einbrüche in Keller, Gaststätten, Hotels und Lager. So sei den Journalisten im Frühjahr vergangenen Jahres die Zahl von 877 Wohnungs- und Geschäftseinbrüchen im Jahre 2015 präsentiert, davon sind 785 Wohnungseinbrüche und 92 Geschäftseinbrüche, so die WAZ. Hätte die Polizei jedoch alle gemeldeten Einbruchsdelikte addieren, käme sie auf 1.401 Fälle im vorletzten Jahr, denn im ersten Halbjahr 2016 hatte man bereits 837 Einbrüche verzeichnet.

»Wir gehen nur mit den wichtigsten Zahlen an die Öffentlichkeit, um nicht einen Zahlenwust vorzulegen«

Die WAZ stellt die berechtigte Frage, warum ein Großteil dieser Zahlen verheimlicht wurde und kommt zu dem Schluss, dass so mutmaßlich die immer schlechter werdende Sicherheitslage in Oberhausen verschleiert werden soll. Als besonders dreist muss zudem die Aussage der zuständigen Polizeisprecherin Ina Jessel bezeichnet werden, die den Vorwurf der Manipulation strikt zurück weist. Jessel begründete das Vorgehen mit den Worten: »Wir gehen nur mit den wichtigsten Zahlen an die Öffentlichkeit, um nicht einen Zahlenwust vorzulegen. Das würde Journalisten und Bürger nur verwirren.« Falls es jedoch erwünscht sei, würden natürlich auch alle Zahlen veröffentlicht, so die schier unglaubliche Aussage der Behörde.

Polizeipräsident Ingolf Möhring, Polizeipräsident in Oberhausen mit eigenwilliger Informationspolitik (Bild: Polizei NRW-Oberhausen)

Jessels Vorgesetzter, Oberhausens Polizeipräsident Ingolf Möhring,  wies am Mittwoch den Vorwurf, die Kriminalstatistik in Oberhausen zu beschönigen, in aller Entschiedenheit zurück. In einer Facebook-Mitteilung versucht der zuständige Beamte die selektierte Informationspolitik seiner Behörde zu erläutern. Die Polizei Oberhausen würde aus dieser komplexen Statistik in ihrer etwa 40seitigen DIN-A-4-Broschüre die wesentlichen Delikte zur Darstellung der Kriminalitätsentwicklung in Oberhausen veröffentlichen. Im aktuellen Kriminalitätsbericht weise die Oberhausener Polizei  auf Seite 32 folgende Zahlen aus: Diebstahl gesamt: 8.060, gefolgt von den ausgewählten Zahlen für Taschendiebstahl und Ladendiebstahl. Eine Zeile darunter findet sich die Gesamtzahl der schweren Diebstähle (3.551), gefolgt von den für Oberhausen besonders relevanten Fallzahlen für Autodiebstähle (101), Diebstähle aus Kfz (1.222), Wohnungseinbrüche (785) und Geschäftseinbrüche (92).

Aus Gründen der Übersichtlichkeit

Alle anderen Delikte würden aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht im Einzelnen aufgeführt. Der Polizeipräsident und sein Direktionsleiter würden den Medienvertretern auf der jährlichen Pressekonferenz die Daten zu angefragten Straftatbeständen erläutern. Zudem habe die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte gezeigt, dass die örtlichen Medienvertreter in der Regel nur an den dargestellten Delikten Interesse zeigen würden.

Darüber hinaus könnten sich alle Oberhausener auf der Homepage der Polizei Oberhausen mit ein paar Klicks selbst einen Überblick über die aktuellen Fallzahlen verschaffen. In der Nachfolge ergeht sich der Beamte darin, dass die Polizei der hohen Zahl der Wohnungseinbrüche durch mannigfaltigen Aktionen wie » 110-Hinweise der Oberhausener«, » gezielte Streifen und Aktionen der Polizisten zur Bekämpfung der reisenden Wohnungseinbrecher« oder aber auch » verstärkte Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung für dieses Delikt« begegnen würde.

Polizeipräsident Möhring »beschwichtigt« bereits seit geraumer Zeit die Oberhausener Bürger. Anfang 2016 stellte der Beamte auf einer Bürgerversammlung klar: » Oberhausens Bürger sind sicher«. Die Vorstellung mancher Bürger, sie würden jeden Tag auf der Straße überfallen, sei Unfug. Die Zahl der Straftaten liege mit 18.938 Delikten 2015 auf dem zweitniedrigsten Stand seit zehn Jahren. Auch hier muss wohl davon ausgegangen werden, dass – um keinen Zahlenwust vorzulegen – nur mit den wichtigsten Zahlen an die Öffentlichkeit kamen. (BS)

 

No-Go-Areas von Stefan Schubert

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