Deutschland

Aktion der IB in Mühldorf wurde von dortiger Geistlichkeit »aufs Schärfste« verurteilt (Bild: Identitäre Bewegung Deutschland)
12 Jan 2017

»Pater Noster schütze unser Abendland«

Im oberbayerischen Mühldorf »benutzte« die Identitäre Bewegung Deutschland in einer »lebensgefährlichen« Aktion die Kirche als »Werbetafel«. In schwindelerregende Höhe war ein Transparent mit der Aufschrift »Pater Noster (Vater unser) schütze unser Abendland« am Altmühldorfer Kirchturm angebracht worden. »Wir verurteilen es aufs Schärfste, wenn man unsere Kirche missbraucht«, so der Stadtpfarrer, dessen Kirche jedoch selbst nur selten der eigenen Forderung nachkommt, die Kirche nicht für Politik zu missbrauchen.

»Quod licet Iovi, non licet bovi?«  – »Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt« – frei nach diesem Motto wurde nach Ansicht der Identitären Bewegung Deutschland (IBD) deren jüngste Banneraktion »aufs Schärfste verurteilt«. Aktivisten der IBD hatten am Dreikönigstag am Kirchturm der oberbayerischen Stadt Mühldorf am Inn ein großflächiges Banner mit der Aufschrift: »Pater Noster schütze unser Abendland« angebracht.

»Wir verurteilen es aufs Schärfste, wenn man unsere Kirche missbraucht«

Die Wertung des Stadtpfarrers ob solcher Aktionen sei laut dem Internetmagazin innsalzach24.de zunächst »wertfrei« ausgefallen. Jedoch teilte der Gottesmann mit: »Wir verurteilen es aufs Schärfste, wenn man unsere Kirche missbraucht«.  Das gelte für alle, die da glauben, an einem Gotteshaus Werbung für ihre Sache machen zu müssen, insbesondere dann, wenn es um offenbar politisch ausgerichtete Gruppierungen gehe«.

Mit »wir« dürfe der Stadtpfarrer mutmaßlich die Kirchen und deren, mehrheitlich links-politisch hochaktives Bodenpersonal gemeint haben. Dass Kirchen nicht für Politik missbraucht werden sollen, diese Aussage unterschreibe die IB vollumfänglich, denn genau das sei es was mit dieser Aktion angeprangert werden sollte. Denn die Kirche, so die IBD, halte sich selbst nicht an diese Maxime und demonstrierte ihre Doppelzüngigkeit in der jüngsten Vergangenheit ein ums andere Mal.

Deutschlands Kirchen – links-politisch ausgerichtete, staatsnahe Gruppierungen

»Denn wie sonst ist die ständige Parteinahme von Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, zu werten? Wie sonst ist die Verleihung eines christlichen Preises an eine Angela Merkel – ausgerechnet wegen ihrer Flüchtlingspolitik – zu werten, bei der Bischof Marx die Laudatio hält? Was ist mit den Moralpredigten in vielen Kirchen, mit denen von der Kanzel herab Merkels Politik die Stange gehalten wird?» Quod licet Iovi, non licet bovi?, so die Frage der IB-Aktivisten mit Verweis auf ein aktuelle Beispiel der Evangelische Landeskirche im Rheinland.

Deren Präses, Manfred Rekowski, hatte am vergangenen Wochenende der AfD eine »Pervertierung des christlichen Glaubens« vorgeworfen und kündigte »massiven Widerstand« gegen eine deutsche Leitkultur an, die Juden und Muslimen keinen Platz in der Gesellschaft lasse.

In einer ihm nicht zustehenden Weise rief Rekowski die Angehörigen seiner Kirche auf, den »richtigen Umgang« mit der AfD zu finden. Wie die FAZ berichtet, antwortet der politisch hoch engagierte Präses auf die Frage, welche Themen er bei den »Wahlkämpfen ansprechen will«: Er wolle nicht über »jedes Stöckchen springen«, das ihm die AfD hinhalte.

In Krisenzeiten sollte die Kirche den Menschen Halt geben

Die Kirche wie auch dieser Staat werde von der Basis, dem Mittelstand, dem Bürgertum getragen, so der Hinweis der IB auf eine Tatsache, die derzeit von vielen Funktionären wie Rekowski, Woelki, dem islamverliebten Bedford-Strohm oder Marx vergessen werde. In Krisenzeiten sollten altehrwürdige Institutionen den Menschen Halt geben. Der Belehrung hätten die Menschen genug.

Der Sorge des Mühldorfer Pfarrers, dass sich die identitären Aktivisten – mit denen er laut Berichterstattung ja gerne reden würde, diese aber offenbar kein Interesse daran hätten – bei derartigen »lebensgefährliche Aktion« in Gefahr bringen würden, entgegnen die so Umsorgten, dass in Zeiten wie diesen ja schon der Besuch eines Christkindlmarktes lebensgefährlich sein könne. »Dass Angst aber ein schlechter Ratgeber ist, wie selbst Merkel immer wieder sagt, haben wir in der IB schon lange berücksichtigt« so die identitäre Antwort für den besorgten Kirchenmann.

Offensichtlich scheinen sich dessen Sorgenfalten schnell geglättet zu haben. Wie die IBD mitteilt, hätten diese erst aus der Presse von der Gesprächsabsicht des Stadtpfarrers erfahren. Ebenso, dass dieser mittlerweile Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs gestellt habe. Eine denkbar schlechte Gesprächsgrundlage finden die Identitären. » Dennoch, sehr geehrter Herr Pfarrer, seien Sie bitte vergewissert, dass es nicht unsere Absicht war, Sie zu verärgern – wir haben uns schon nach den Beichtgelegenheiten erkundigt«. Einem Meinungsaustausch jedenfalls stehe von IBD- Seite nichts entgegen. (BS)

 

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