Kommentar

Björn Höcke (AfD) (Bild: Metropolico.org)
23 Jan 2017

Causa Höcke – Catch as catch can – Oder: Jeder gegen Jeden

Lieber Gott, sei so freundlich und werfe ein paar Eimer Verstand auf uns herab… Dieser Artikel soll witzig anfangen und hat doch überhaupt nichts Witziges zur Grundlage. Im Gegenteil, es geht um die Causa Höcke und den innerparteilichen und öffentlichen Umgang mit (s)einer Rede. Ein Kommentar von Martin E. Renner (AfD), Gründungsmitglied und im Gründungsvorstand, sowie Sprecher der Alternative für Deutschland NRW.

Es geht um die Aus- und Abgrenzung von Personen, um Macht- und Positionsgeschachere, um Rechthaberei, um Personelles und Charakterliches, um »Actio und Reactio«. Also um das ganze Spektrum menschlicher und politischer Niederungen und Felder.

Zunächst zur Rede.

Ohne, dass ich mich im Detail verlieren möchte. Das Thema »Denkmal der Schande und die Verbrechen des Naziregimes« ist selbstverständlich ein relevantes Thema in der allgemeinen politischen Diskussion und in der innerparteilichen Debatte. Ja, nicht nur erlaubt, sondern heute und auch zukünftig geboten. Deshalb ist dieses Thema ja auch im AfD-Grundsatzprogramm von Stuttgart abgehandelt und entschieden worden (Grundsatzprogramm Kapitel 7.4. Seite 33).

Sicherlich wäre es höchst wünschenswert, wenn diejenigen, die dieses Thema in Reden behandeln (und ich behandele dieses Thema bei vielen Vortragseinladungen) dann auch auf rhetorische Inszenierung und Intonation achten würden. Sorge trügen, dass der Vortrag schon rein äußerlich, sprachlich und stilistisch nicht an Vortragsreden der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts erinnere.

Dann zum Hintergründigen.

Doch das ist das Äußerliche. Die Verbrechen des deutschen Naziregimes und der Umgang mit diesen sind wesentliche Elemente unseres heutigen deutschen Geschichts-, Gesellschafts- und Politikverständnisses. Es hat sich zu Recht eine positiv wirkende Erinnerungs- und Verantwortungskultur in unserer Gesellschaft entwickelt. Allerdings gibt es hier zu Lande sehr erfolgreich wirkende politische Kräfte, vornehmlich linke Ideologen und Schüler der »Frankfurter Schule«, die, kulturmarxistisch basiert und motiviert, gesellschaftsverändernd agieren wollten und wollen.

Diese linken Agitatoren, denen es nicht zuletzt um die Auslöschung der christlichen Basierung der Fundamente unserer Kultur und unserer nationalen Identität geht, instrumentalisieren in fast allen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens die 12-jährige Schande unserer Geschichte. Sie – durchaus einflussreiche Zeitgenossen in Öffentlichkeit, Parteien, Medien und Organisationen – wollen erreichen, dass wir uns nachgeborenen Deutsche ausschließlich als Erben dieser schändlichsten Phase unserer Geschichte verstehen. Sie wollen uns den Zugang zu den vielen »lichteren und helleren Momenten« unserer Geschichte als Kulturnation verstellen. Sie wollen uns den Zugang zu unserem »Eigenen« versperren. Vielleicht auch deshalb, damit man das »Eigene« nicht mehr erkennt, es vielleicht sogar abstoßen und nicht mehr durchdringen will und damit offener und aufnahmebereiter für das »(islamisch) Fremde« werden soll.

Ein Phänomen, welches man durchaus als geplante und straff organisierte Etablierung eines »Schuldkultes« bezeichnen kann. Doch ganz im Sinne der Siegermächte, die nach 1945 das Konzept der »Re-Education« für die Besiegten in Deutschland realisierten. Dazu Archibald McLeesh, der damalige Staatssekretär des US-amerikanischen Außenministeriums auf der Potsdam-Konferenz im O-Ton: »Wir werden die gesamte deutsche Tradition auslöschen. Es ist das Ziel der Umerziehung, den Charakter und die Mentalität der deutschen Nation zu verändern, so dass Deutschland schließlich ein Leben ohne Überwachung gestattet werden könnte. … Wir werden einen Prozess in Gang setzen, an dessen Ende die deutsche »Self-Reeducation« stehen müsse, die man auch Charakterwäsche nennen könnte.« Vonnöten sei es auch, dass die Deutschen ihre Schuld anerkennen und sich öffentlich immer wieder zu ihrer Schuld bekennen.

Die 68-er Apologeten der Frankfurter Schule trieben diese Entfremdung der Deutschen vor ihren Wurzeln allerdings ein ganzes Stück weiter. Sie initiierten den erbitterten Konflikt der jüngeren Generation gegen die Elterngeneration, auch und nicht zuletzt durch die zielorientierte Inszenierung dieser Schuld. Die Väter und Mütter sollten als kollektiv Schuldige belangt und dadurch die Generationenkontinuität gebrochen werden. Alles mit dem Ziel, die Formung einer neuen Gesellschaft mit »neuen« Menschen – einer sozialistischen Gesellschaft, versteht sich – zu ermöglichen. Zu einer echten »kommunistischen« Diktatur in Deutschland ist es letztlich nicht gekommen, obwohl die 68-er doch recht erfolgreich in ihrem »Marsch durch die Institutionen« gewesen sind. Sozialistische Verwüstungen in allen Bereichen unseres »demokratischen und freiheitlichen« Staatswesens umgeben uns.

Vieles von dem, was eine bürgerliche, freiheitliche, konservative und auch patriotisch gestimmte Gesellschaft ausmacht, ist durch diese links-kollektivistisch-internationalistisch denkenden und handelnden Agitatoren zerstört und wird weiter zerstört werden – bis wir stark genug sind, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten.

Jetzt zum Wesentlichen.

Die AfD erkennt das oben Geschilderte als eines der Grundlagen ihres politischen Auftrages zur Veränderung unseres gesellschaftlichen Raumes. Und genau deshalb waren diese Passagen in der Rede inhaltlich richtig und notwendig und keinesfalls zur Unzeit, weil es den »richtigen« Zeitpunkt für derartige Betrachtungen und Erläuterungen gar nicht geben kann. Niemals geben wird. Unsere Betrachtungen und Anschauungen werden immer im Gegensatz zu den Meinungsmonopolisten stehen. Und immer werden die Wächter der Political Correctness unsere Meinungen und Anschauungen in diesen »sensiblen« Themenfeldern als außerhalb des uns zugestandenen Diskursraumes lokalisieren wollen.

Die Presse hat schnell und heftig reagiert und einen Sturm der Entrüstung provoziert. Dieser Sturm ebbte aber doch recht schnell ab und erwies sich als vergleichbar laues Lüftchen. Die Widerstandskraft scheint abzunehmen, da die Grundgewissheiten und Selbstindoktrinationen – auch der Medien – zunehmend ins Wanken geraten.

Die Reaktionen danach.

Einige unserer politisch Verantwortlichen haben sich durch unnötig lärmendes Distanzieren hervorgetan. Aus Versehen oder mit Absicht?

Sie sind damit den politisch Hochmögenden und dem Establishment servil zur Seite gestanden. Sie haben diesen damit einen wertvollen Dienst erwiesen. Gaben sie doch dadurch Zeugnis, dass es so etwas wie »unbetretbare Felder« auch im rationalen und eben nicht nur im moralisierenden politischen Diskurs geben kann. Sollte es mit den Überzeugungen, dass die Alternative auch, wenn nicht sogar zuvörderst, »antithetische« und »systemkritische« Positionen zur Geltung bringen will, gar nicht so weit her sein? Hatten wir das nicht schon einmal, ein solches Problem? Welches dann in Essen glücklich und erfolgreich behoben wurde.

Oder war einfach nur die Gelegenheit so günstig, einmal auszutesten, wo man machtstrategisch im Wettbewerb der Personen steht? Doch ganz sicher ist, und das sage ich als jemand, der eher »Alle mitnehmen« will und als jemand, der eher keinem am Rand befindlichen »Lager« angehört. Diese Machtprobe hat Schaden hervorgerufen. An der Partei, an Personen und bei den Mitgliedern. Sie hat das Establishment gestärkt, weil dieses nunmehr genau gesehen hat, welche Diffamierungskarten sie zukünftig auszuspielen hat, um Unfrieden zu befeuern und potentielle Wählerschichten zu verunsichern.

Normalerweise denke ich nicht in Prozenten, die an Wahltagen zu gewinnen sind, sondern beschäftige mich eher mit politischen Analysen und metapolitischen Szenarien. Aber diese leichtfertig ausgelösten Querelen, die sich ja mithilfe verschiedener Aktionen hier in NRW weiter in unsere Parteigemeinschaft fressen wollen, werden nicht ohne Auswirkungen bleiben. Denn, interne Parteienstreitigkeiten können Wähler so gut leiden, wie – und das drücke ich jetzt einmal bewusst burschikos aus – einen Furunkel am Hintern.

Möglicherweise werden die weiter hinten platzierten Listenkandidaten in NRW, die genauso hart arbeiten müssen und werden, wie die weiter vorne platzierten Kollegen, dieses inszenierte Machtprobenkalkül dann bitter und teuer bezahlen.

 

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