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Tony Blair (Labour Party) (Bild: USAID U.S. Agency; Frontiers in Development 2014 - Tony Blair; CC BY-NC 2.0; siehe Link)
17 Feb 2017

Ex-Premier Tony Blair will den Brexit stoppen

Der ehemalige Premierminister Tony Blair der Labour-Party hat angekündigt, alles tun zu wollen um  Großbritannien davon zu überzeugen, in der Europäischen Union zu verbleiben. Der hoch umstrittene Ex-Premier warnte vor einem »Brexit um jeden Preis« und rief am Freitag die Befürworter für den EU- Verbleib dazu auf, »sich zu erheben«. Außenminister Boris Johnson wirft Blair vor, »Verachtung für den britischen Wähler« zu zeigen. 

Großbritanniens Ex-Premierminister Tony Blair (Labour Party) will alles dafür tun, um die Bürger seines Landes, die sich basisdemokratisch, mehrheitlich für den Ausstieg aus der Europäischen Union (EU) entschieden haben, davon zu überzeugen, dass sie das nun doch nicht tun sollen.

Wie englischsprachige Medien berichten, griff der hoch umstrittene Ex-Premier Blair am Freitag bei einem Vortrag  des US-amerikanischen Medienunternehmens Bloomberg in London, sowohl die amtierende Premierministerin Theresa May, als auch den Chef der Labour Partei, Jeremy Corbyn scharf an. Er sagte: »Dies ist eine Regierung für Brexit, vom Brexit gemacht und vom Brexit beherrscht. Es ist eine politische Einheit «. Die Brexit-Befürworter seien Nutznießer dieser, von Blair beschriebenen Anti-Regierungswelle gewesen und würden nun immer noch behaupten, dass der Wille des Volkes sich in Bezug auf den EU-Austritt nicht geändert habe.

Blair ruft Brexit-Gegner auf, sich »zu erheben«

Jedoch sei jetzt nicht die Zeit des Rückzuges, der Gleichgültigkeit oder der Verzweifelung, sondern jetzt sei die Zeit sich zu verteidigen und sich ohne Angst und mit Überzeugung für die wahren Interessen Großbritanniens einzusetzen. Im Fortlauf seiner Rede lobte er die früheren Errungenschaften und zeichnete Bilder des wirtschaftlichen- und politischen Untergangs, wenn das Land einen »Brexit um jeden Preis« realisieren wolle. Befürworter des Verbleibs Großbritanniens in der EU motivierte er dazu, »sich zu erheben« und gegen den Kurs der Regierung, der dem Land einen »echten Schaden« zufügen werde, zu stellen.

Die jetzige britische Politik würde der Neigung zum Aufruhr gegen bestehende Verhältnisse nachgeben, so Blair, der, während seiner Amtszeit den »Antiterrorkampf« der US-amerikanischen Regierung , vor allem durch die Teilnahme von britischen Truppen an den Einsätzen in Afghanistan ab 2001 und im Irak ab 2003 ergeben unterstützte, was von vielen Kritikern als unangemessen empfundenen Folgsamkeit gegenüber dem damaligen US-Präsidenten unter dem Schlagwort » Bush’s poodle« (Pudel von Bush) geschmäht zu wurde. Mitte 2016 wurde der Untersuchungsbericht der Chilcot-Kommission zur britischen Rolle im Irak-Krieg veröffentlicht, der nahelegt, dass Blair trotz Warnungen mit seinem willigen Einsatz im Irakkrieg gegen das Völkerrecht verstoßen und damit womöglich Kriegsverbrechen begangen habe.

Der Brexit sei nicht unvermeidlich und könne durch den Willen der Bürger gestoppt werden, so der Aufruf des Ex- Premiers, der zehn Jahre als britischer Regierungschef mit dafür verantwortlich war, dass Großbritannien nicht mehr Herr über seine Grenzen war und somit eine massive Einwanderung in die Sozialsysteme erfahren hat, sowie als EU-Geberland Milliardenbeträge in der angeblichen Wertegemeinschaft versenkte.

»Blair zeigt Verachtung für den britischen Wähler «

Boris Johnson, ehemaliger konservativer Bürgermeister von London und Brexit-Mitinititiator griff Blair für seine Rede hart an. Johnson, aktueller britischer Außenminister, sagte laut dem Telegraph, Blair würde Verachtung für die britischen Wähler zeigen.

»Ich fordere das britische Volk auf, aufzustehen und den Fernseher auszuschalten, wenn Tony Blair als nächstes mit seiner herablassenden Kampagne erscheint.« Es sei die »blanke Unverschämtheit, den britischen Leuten zu sagen, dass sie sich im Juni letzten Jahres falsch entschieden hätten. Blair zeige eine Verachtung für die »Intelligenz der Wähler«, so Johnson. (SB)

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