Deutschland

Jene, die Mitverantwortung tragen, nahmen den Opferangehörigen den Platz bei der Trauerfeier am 20. Dezember 2016 in der Berliner Gedächtniskirche weg (Foto: Bundesregierung/Denzel)
19 Feb 2017

Opferangehörige schildern Unglaubliches

Zwei Monate nach dem islamischen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz empfing Noch-Bundespräsident Joachim Gauck Angehörige der Ermordeten. Diese schilderten Unglaubliches im behördlichen Umgang und zeigen ein totales Versagen – oder totale Gleichgültigkeit – der politisch Verantwortlichen auf.

Nach dem Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt durch den »Flüchtling« Anis Amri  dauerte es Wochen, bis die Merkel-geführte Bundesregierung einen Hauch von Anteilnahme für die Opfer und deren Hinterbliebenen öffentlich signalisierte (Metropolico berichtete). Das Leid, das der islamische Terror kurz vor Weihnachten über die Familien der zwölf Getöteten und bis zu 50 Schwerstverletzten brachte, wurde nicht thematisiert. Keine Trauerminute im Bundestag, keine illuminiertes Brandenburger Tor, keine Fahnen auf Halbmast. Nichts.

Initiierte Betrauerung durch Gauck und de Maizière

Was die Hinterbliebenen jedoch zusätzlich zu dem unsagbaren Verlustschmerz zu ertragen hatten, ist nicht weniger als ein Skandal. Wie der Tagesspiegel berichtet, hatte sich Bundespräsident Joachim Gauck kurz vor dem Ende seiner ruhmlosen Amtszeit erbarmt und am Freitagnachmittag rund 50 Angehörige der Todesopfer im Schloss Bellevue empfangen, um ihnen dort – zwei Monate nach der Ermordung ihrer Liebsten- so etwas wie Anteilnahme auszusprechen. Ebenfalls anwesend: Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), einer jener Politiker, der durch das Mittragen einer verantwortungslosen Politik, Schuld am Tod dieser Menschen auf sich geladen hat.

Nach Ende der initiierten Betrauerung berichteten Angehörige Gauck gegenüber, dass sie bis zu drei Tage in Berlin herumgeirrt seien und die Krankenhäuser nach ihren vermissten Angehörigen abklappern mussten, da das ermittelnde Bundeskriminalamt zunächst eine Nachrichtensperre verhängt habe und keinerlei Auskünfte erteilte. Jene Angehörigen, die wussten, dass ein Familienmitglied ermordet wurde, seien am Tag nach dem islamischen Attentat von Sicherheitsleuten daran gehindert worden, am Trauergottesdienst in der Gedächtniskirche teilzunehmen. Die Begründung: In der Kirche säßen hochkarätige Politiker. Joachim Gauck, der ebenfalls als »hochkarätiger Politiker« einen Platz in der Gedächtniskirche besetzte, anstatt diesen den tatsächlich Trauernden überlassen zu haben, entschuldigte sich. Das habe er nicht gewusst.

Als erstes kam ein Gebührenbescheid vom Gerichtsmediziner

Angehörige, die zunächst nichts von dem Attentat mitbekommen hatten, seinen von der Polizei auf höchst unsensible Art und Weise um die Abgabe von »aussagekräftigem DNA-Material« angegangen worden. Gründe für die Abgabe wurden von den Beamten nicht benannt. Eine Antwort auf Rückfragen sei gewesen: »Wer jetzt nicht wisse, worum es gehe, sei selbst schuld«, so der Tagesspiegel.

Reibungslos indes verlief das Verschicken von Rechnungen an die Hinterbliebenen. Das Erste, was Angehörige vom Land Berlin erhalten hätten, sei ein Brief gewesen. Darin nicht etwa ein Kondolenzschreiben des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD), sondern eine Rechnung der Gerichtsmedizin mit der Aufforderung, innerhalb der gesetzten Frist zu zahlen; ansonsten werde ein Inkassounternehmen das Geld eintreiben.

Den insgesamt vierstündigen Termin hätte die Mehrheit der Teilnehmer als «starkes Zeichen« gewertet. Und zudem habe Gauck ja versprochen, er werde auch als »rüstiger Rentner« dranbleiben. Was immer das auch heißen mag.  (SB)

 

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