Internationale Meldungen

Komitee des IWF 2010 (Bild: IWF; 2010 Development Committee IMF/World Bank Spring Meetings; CC BY-NC-ND 2.0; siehe Link)
21 Feb 2017

Dokument belegt: IWF wusste seit 2010, dass Griechen-Hilfe nutzlos ist

Ein öffentlich gemachten Geheimdokument soll belegen: Finanzexperten des Internationalen Währungsfonds (IWF) wussten schon vor Beginn der Krise 2010, dass die Milliarden-Hilfen für Griechenland nichts bringen wird.  »Das Hilfsprogramm war eine einzige Irreführung«, so auch das Resümee des Ifo-Chefs Clemens Fuest.

Sie war nie vorbei. Die Euro-Krise wird nur überschattet und überlagert von diversen anderen Themen und Problemen, die in ganz ähnlichem Maße die Unfähigkeit des künstlichen Gebildes namens »Europäische Union« und der darin politisch Agierenden demonstrieren. Die Griechenland-Krise flammt nicht – wie momentan medial behauptet – wieder auf, sondern ist nur eine Fortführung des bereits seit Jahren betriebenem Dramas und  rückt nun deshalb wieder in den Fokus der Berichterstattung, weil Athen spätestens bis Juli einmal mehr frisches -vorrangig in Nordeuropa erarbeitetes – Geld in Milliardenhöhe benötigt.

Bei allen Beteiligten Klarheit über die uneinbringlichen Forderungen

Ebenso falsch ist die Bezeichnung »Hilfspaket« im Zusammenhang mit dem Versenken von Steuermilliarden in den bodenlosen Topf namens Griechenlandrettung. Denn dieser Begriff soll suggerieren, dass die Geberländer – vornehmlich Deutschland – ihr Geld irgendwann einmal wieder zurück bekommen werden. Klar muss hier dargestellt werden, dass es allen Beteiligten – angefangen von der Europäischen Kommission, über den IWF, bis hin zu dem nationalen Parlament in Berlin – sehr früh klar war, dass Athen nie und nimmer seine Schulden wird zurück bezahlen können, da bereits jetzt wieder ein Schuldenberg von mehr als 170 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes angehäuft wurde.

»Mit im Boot« – wie es immer wieder geheißen hat – der Internationale Währungsfond (IWF), der wie alle beteiligten Euroländer mit den vereinbarten Gesetzen gebrochen hatte und bei der Finanzierung eines bankrotten Staates fröhlich mitmachte.

IWF wusste seit 2010, dass Griechen-Hilfe nutzlos ist

Nun scheint zum einen, dass sich der IWF nicht weiter an der Insolvenzverschleppung Griechenlands, das seit 2010 faktisch zahlungsunfähig ist, beteiligen und möglichst zügig aus der unheilvollen »Griechenlandhilfe« aussteigen will. Zum anderen – und dies dürfte schwerwiegender sein – handelt es sich bei IWF jedoch nicht um eine »späte Einsicht eines begangenen Fehlers«. Wie der Focus nun mit Berufung auf CNN Greece. berichtet, seien Geheim-Dokumente aufgetaucht, die beweisen sollen, dass der IWF schon lange wusste, dass die Milliarden-Hilfen für Griechenland nichts bringt.

Im Internet soll ein vertraulicher Brief aus dem Jahre 2010 kursieren, dessen Verfasser bereits das erste Hilfsprogramm aus dem Jahr 2009 als unrealistisch bezeichneten. Die Aussage wurde laut CNN-Greece nicht von irgendjemandem getroffen, sondern von Olivier Jean Blanchard, Professor für Volkswirtschaftslehre am Massachusetts Institute of Technology, und von 2008 bis 2015 Chefökonom des IWF. Blanchard, der als Neukeynesianer gilt, soll seine vertrauliche Analyse an Poul Thomsen geschickt haben. Thomsen wiederum koordinierte damals die IWF- Hilfsprogramme für Griechenland.

Im betreffenden Brief soll Blanchard Thomsen davor gewarnt haben, dass Griechenland in eine tiefe Rezession fallen werde und die Griechenland-Hilfsprogramm komplett aus dem Runder laufen werden, selbst wenn sich die Griechen tatsächlich 1:1 an die gewünschten Reformen halten würden.

»Das Hilfsprogramm war eine einzige Irreführung«

Deutsche Politiker und Medien stellen die Situation immer noch als beherrschbar dar. »Das Hilfsprogramm war eine einzige Irreführung«, so das Resümee des Ifo-Chefs Clemens Fuest in einem Spiegel-Interview. Da die bisherigen Kredite nicht zurückgezahlt werden können, seien es korrekter Weise Transfers. Zudem war Griechenland offenkundig nie bereit, die unterschriebenen Reformvereinbarungen umzusetzen, so Fuest.

Jedoch sei Griechenland kein »Sonderfall«.  In Italien stelle sich die aktuelle Situation ebenfalls hoch dramatisch dar, da das Land heute über eine geringer Wirtschaftsleistung pro Kopf verfüge als zur Euro-Einführung und die Zustimmungsrate der Italiener zur EU massiv gesunken sei.

Das vielbeschworene »Friedensprojekt Europa«, dass von allen möglichen Politikern als Argument für die bisherigen lebensverlängernden Maßnahmen des todkranken Patienten namens Euro benannt wurden, hat sich zum Hass-Projekt entwickelt.  (BS)

 

 

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