Meinung

AfD-Extremismus-Kongress am 18.3.2017 in Berlin (Bild: Metropolico.org)
19 Mrz 2017

Extremismuskongress mit drei Extremisten

Schlaglicht: Während draußen vor dem Berliner Luxushotel Maritim Sturm Eckhart vor dem Brandenburger Tor eine Linde auf ein Auto knickte, hatten sich im mondänen rotbraun getäfelten Saal rund 400 Gäste der Berliner AfD eingefunden. Es ging um Extremismus. Eines der wichtigsten Themen dieser Zeit.

Die Gäste waren durchaus hochkarätig, darunter der sachsen-anhaltinische Fraktionsvorsitzende André Poggenburg, AfD-Chef Meuthen und die Berliner Ko-Vorsitzende Beatrix von Storch und natürlich der Berliner AfD-Chef Georg Pazderski. Die erste Garnitur, Dr. Alexander Gauland nicht da, Frauke Petry weg.

Der Thüringer Landesvorsitzende Björn Höcke hatte Hausverbot. Auch wollte der Hotelbetreiber zwar den deutlich sechsstelligen Betrag für die Veranstaltung einstreichen, aber in Zukunft keinen AfD-Kongress mehr hier sehen. Soweit zur konsequenten Marktwirtschaft.

Unter den geladenen Rednern, die kamen, befand sich durchaus nicht nur AfD-konforme Eloquenz.  BKA-Abteilungsleiter Uwe Kemmesies, Terrorismus- und Extremismus-Forscher, ließ in seinem stellenweise quälend langweiligen und unsubstantiierten Vortrag durchblicken, dass seine Vorstellungswelt mit der der AfD nicht kompatibel sei. Was beinahe wie ein Lacher in seiner sonst recht spröden Ausführung klang, wurde durch den plötzlichen Auftritt dreier linker Extremisten auf den Presseplätzen aufgepeppt. Die standen auf und riefen zu ihm hoch:»Nazi-Pack«  und wurden hinausgeleitet. Ein Extremisten-Kongress mit echten Extremisten. Der Tag schien gerettet. Ob die Verwirrten den BKA-Mann als »Bullenfaschisten« titulierten ist nicht überliefert.

»Störer« beim AfD-Extremismus-Kongress in Berlin (Bild: Metropolico.org)

Der Dominikanerpater Wolfgang Ockenfels zitierte aus dem Koran und fragte, ob man manche Kopf-ab-Sure nicht als verfassungsfeindliche Gewaltpropaganda empfinden sollte? Der Freiburger Rechtswissenschaftler Prof. Dietrich Murswiek warnte vor der Umstrukturierung der Bevölkerung Deutschlands durch Angela Merkel und musste sich sofort von Tagesspiegel-Autorin Maria Fiedler »Nazinähe« attestieren lassen.

Der medienafine Politikwissenschaftler Werner Patzelt ließ sein sauerkrautähnliches Haar wallen und war sich stellenweise bei seinem Vortrag nicht sicher, ob auch alle seine Argumente verstanden haben, wobei der Begriff Argumente für das zähe Dahindröseln oberlehrerhafter Binsen eigentlich schon zuviel des Guten war. Leider sagte der bunteste Tupfer des Tages, der an Flüchtlingserfahrungen reiche Frankfurter Journalist und Under-Cover-Flüchtling, Shams ul Haq, kurz vor dem Kongress ab. Grund: Unbekannt. Er hätte doch bestimmt unter größtem Applaus erklären können, wie einfach es war, in Deutschland 14 Identitäten anzunehmen, über islamistische Anwerbeversuche, Vergewaltigungen in Asylunterkünften und anderem mehr zu berichten. Doch sucht er sein Publikum scheinbar dann doch woanders. Schade. Hätte gerne gewusst, ob er auch 14 Mal abkassiert hat.

Der Redner und Psychologe Nicolai Sennels von der dänischen Volkspartei erkannte Muslime als extremistische Gefahr und verortete sie als »zornig« und oft als »integrationsfremd.«

So ging der Tag des Extremismuskongresses mit nur einem toten Islamisten in Frankreich zu Ende. Der 39-jährige hatte am Pariser Flughafen einer Soldatin ein Gewehr entwendet und wurde erschossen. Im Brandenburgischen Nauen erstach ein Somali in einer Asylunterkunft einen Landsmann. Vielleicht hätten sich des ernsten Themas mehr Menschen annehmen sollen?

E-Mail senden an:

oder Inhalt löschen