Deutschland

Die neuesten Immigrationszahlen aus Afrika sind beängstigend (Bild: Metropolico.org)
22 Mrz 2017

So viele afrikanische »Flüchtlinge« wie noch nie

Mit steigenden Temperaturen steigt auch wieder die Zahl der »Flüchtlinge«, die über das Mittelmeer versuchen, nach Europa und insbesondere nach Deutschland zu gelangen, an. Jedoch sollen demnächst so viele »Flüchtlinge« wie niemals zu vor aus Afrika anlanden. Zudem wird klar, dass die Balkanroute alles andere als geschlossen ist. Angela Merkel mahnt derweilen zur Geduld. 

Die Zahlen jener Menschen, die von Afrika aus versuchen, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen, steigt seit Angela Merkles Blitzentscheidung jährlich dramatisch an. War 2016 bereits die Rekordzahl von 180.000 Menschen erreicht, die sich insbesondere von Libyen aus aufmachten die Europäische Union zu erreichen, scheint es nun so, dass diese Menschenmassen nur eine kleine Vorhut waren.

Die tatsächliche  Immigrantenflut kommt erst jetzt

Höchst beunruhigend seien die jüngsten Zahlen. Innerhalb der letzen 24 Stunden seien 3.350 Immigranten über das Mittelmeer in Italien angelandet. Viele Experten sind sich sicher, dass diese Gesamtzahlen der Überfahrten aus Libyen in diesem Jahr noch einmal stark ansteigen werden, so WeltOnline. Gründe hierfür: Die sogenannten »Rettungsaktionen« finden bereits sehr dicht vor der afrikanischen Küste statt. Zudem werde es sich sehr schnell bei den reisewilligen Immigranten herumsprechen, dass jetzt noch die Chance zur »Flucht« über diesen Weg besteht und man von den Schiffen der Grenzschutzagentur Frontex »gerettet« werde.

Am Montag fand in Rom der erste »Flüchtlingsgipfel« der neugegründeten Europa-Afrika-Kontaktgruppe statt. Ziel und Zweck soll es sein, Immigranten von der Überfahrt in die EU abzuhalten. Dazu will die EU mithilfe nordafrikanischer Staaten das Geschäftsmodell der Schlepper zunichte machen. Das Qualitätsmedium »Die Zeit« nennt die Vereinbarung das »Abschreckungsabkommen«.

Es wird teuer werden für die Europäer

In der italienischen Hauptstadt tagten die Innenminister von Malta, Frankreich, Deutschland, Österreich, Slowenien, Schweiz, Libyen, Algerien und Tunesien sowie der EU-Kommissar für Migration, Dimitris Avramopoulos, und der Ministerpräsident der international anerkannten libyschen Regierung, Fajis al-Sarradsch.  Der Libyer machte unmissverständlich klar, dass es teuer wird für die EU: Laut italienischer Medien möchte das politisch instabile Haupttransitland Libyen 800 Millionen Euro – 200 Millionen davon sofort, um technische Ausrüstungen wie Rettungswagen, Schlauchboote, Taucherausrüstungen, Jeeps, Helikopter oder den Bau von Einsatzzentralen realisieren zu können und damit die libysche Grenze zu sichern. Teil des »Europa-Afrika«-Deals: Aufgabe der libyschen Küstenwache soll es zukünftig sein, Boote zu orten und die Menschen dann in libyschen Aufnahmelager zu bringen.

Libyens einstiger Staatschef Muammar al-Gaddafi forderte vor dem gescheiterten »Arabischen Frühling« und der damit verbundene katastrophale Destabilisierung der Region bereits 2010 ganz Ähnliches von der EU (Metropolico berichtete). Der Despot wollte damals fünf Milliarden Euro um die Weiterreise von afrikanischen Immigranten nach Europa zu verhindern. Libyen sei das Eingangstor der »unerwünschten Immigration«, diese könne nur an den Grenzen seines Landes gestoppt werden, sagte Muammar Gaddafi damals ebenfalls in Rom. Es liege deshalb ganz im Interesse Europas, auf seine Forderungen einzugehen, »sonst kann es schon morgen zu einem zweiten Afrika werden«.

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Merkel: Geduld bitte! Die »Migrationspartnerschaften« brauchen Zeit

Die Hauptinitiatorin der aktuellen katastrophalen »Flüchtlingssituation«, Angela Merkel (CDU), ruft aktuell dazu auf, mit den Flüchtlingskonzepten der EU mehr Geduld zu haben, auch wenn immer mehr Immigranten über das Mittelmeer nach Europa strebten.

Es gehe um eine langfristige Entwicklung »der »Migrationspartnerschaften« und da wird auch ein längerer Atem notwendig sein«, so die Bundeskanzlerin am Dienstag nach einem Treffen mit dem Präsidenten von Burkina Faso in Berlin.

Die Balkanroute ist nicht dicht

Die mediale und politische Darstellung, dass die sogenannte Balkanroute als Einfallstor der illegalen Immigration seit einem Jahr geschlossen sei, stellt sich als unwahr heraus. Österreichs Verteidigungsminister Hans-Peter Doskozil und sein für Grenzschutz zuständiger slowenischer Kollege Bostjan Sefic stellten letzte Woche klar, dass diese alles andere als dicht sei.

Auch hier ist mit zunehmend steigenden Temperaturen die Zunahme von Immigrationsbewegungen zu erkennen. Diejenigen Immigranten, die sich auf den Weg nach Norden –sprich Deutschland-  machen, würden »noch immer fast ungehindert geschleust«, so Doskozil. Er kündigte laut dem Tagesspiegel an, dass sein Land mit den Balkanstaaten und mit Ungarn, Polen und Tschechien den Grenzschutz weiter ausbauen werde.

Merkel ruft indes, während andere Länder wie Österreich und Ungarn handeln und sich um die Sicherheit ihre Bevölkerung bemühen, konzeptlos wie eh und je, zu mehr Geduld auf.  (BS)

 

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