Meinung

Who the fuck ist Martin Hebner? (Symbolbild: Metropolico.org)
28 Mrz 2017

Who the fuck ist Martin Hebner?

Martin Hebner. So der Name des Schriftführers des bayerischen Landesvorstands der AfD, der am Sonntag bei der Listenaufstellung zum Bundestag auf Platz eins gewählt wurde. Was zum Teufel macht Ihr da, AfD? Und who the fuck ist Martin Hebner? Ein Kommentar von Birgit Stöger.

Der streitbare Landesvorsitzende der AfD Bayern, Petr Bystron, hatte es mit unermüdlichem Einsatz die letzten eineinhalb Jahre geschafft, die in einem Tief verharrende Bayern-AfD zu stabilisieren und über die 10 Prozent-Umfraghürde zu hieven. Am vergangenen Sonntag  wurde es Bystron nicht gedankt. Wie es scheint, wurde er einfach weggeputscht.

Bei der Listenaufstellung zum Bundestag kam er nicht auf den ersten Platz der Landesliste. Dort landete der gänzlich unbekannte Martin Hebner, Schriftführer im Landesvorstand. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie unbekannt die jetzige Nummer Eins der bayerischen AfD ist, genügt ein Blick auf die Internetseite des Landesverbandes, wo sich der Landesvorstand Bayern präsentiert. Nicht einmal ein Bild von Martin Hebner ist dort veröffentlicht.

Was in Gottes Namen hat Euch dieses mal wieder geritten? War es Bystrons Unterstützung einer Parteiordnungsmaßnahme – nicht zu verwechseln mit einer Unterstützung eines Parteiausschlussverfahren, denn dies hat Bystron nicht gefordert – gegen den Thüringer Landeschef Björn Höcke?

Petr Bystron (Landesvorstand AfD Bayern) scheint Opfer eines emotional geführten Flügelkampfes geworden sein (Bild: Metropolico.org)

Euch, die ihr gegen Bystron agiert habt, ist schon bewusst, dass wir die wohl schicksalhafteste Wahl in unserer jüngsten Vergangenheit zu entscheiden haben und diese unmittelbar vor der Tür steht? Euch ist auch bewusst, dass Bystron wie kaum ein anderer dem Hauptkonkurrenten aus der CSU die Stirn geboten hat? Bystrons Gesicht war auf unzähligen Veranstaltungen und Demonstrationen bayernweit zu sehen. Ein Martin Hebner wurde bis zum Sonntag nirgends wahr genommen.

Da hat der Landesverband, der anders als viele andere, nur aus unbezahlten, aber vielfach leidenschaftlichen »Amateuren« besteht, eine wirkliche »Marke« entwickelt – nur um diese dann in die Tonne zu treten. Keine Partei in Europa aus Eurem Spektrum hat es ohne ein »Gesicht«, eine »Figur«, eben einer »Marke« geschafft. Aber was soll´s? Lieber geben ein paar Puritaner aus den verschiedenen Lagern ihren jakobinischen Urinstinkten nach, anstatt sich ein Loch in den Bauch zu freuen, jemanden mit Zugkraft an der Spitze zu haben.

Mir persönlich ist es egal, dass die Mainstreamler den von Euch angezettelten Putsch als Schlappe, als Niederlage oder – wie die Alpen-Prawda mit »AfD düpiert Parteichef« titulieren. Das, was Ihr am Sonntag zustande gebracht habt, kann man auch weniger hämisch als »Absägen des Astes, auf dem man sitzt» oder als »Selbstkastration« bezeichnen.

Ich weiß nicht, wer wen mit welchen Argumenten gegen den unstreitbar beliebten und medial präsenten bayerischen Landeschef aufgebracht hat. Was ich aber weiß, ist, dass nun auch die AfD in Bayern das Bild einer in sich zerstrittenen Partei präsentiert, dessen Personal sich lieber um die Fleischtöpfe als um Realpolitik balgt. Das gemeinsame Ganze scheint auch Ihr aus den Augen verloren zu haben. Und wisst Ihr was: Langsam wird es nicht nur mir echt egal. Ich bin seit dem boshaften Agieren gegen Björn Höcke schon über den ersten Schock und die daraus resultierende Ernüchterung hinweg. Nur einen kleinen Hinweis zum Ende: Es gibt immer einer Alternative.

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