Kommentar

Die Quarantänestation, dahinter Wohncontainer für meist afrikanische Männer (Bild: Lutz Mark)
14 Apr 2017

Erst Aufnahme, dann die teuere Party

Zu Besuch bei Besuchern der Erstaufnahmeeinrichtung im ehemaligen hochgeheimen Russenstädtchen Wünsdorf bei Zossen, Brandenburg. Es ist eine kleine Delegation, Thomas Jung und Birgit Bessin, Landtagsmitglieder der AfD, aber ein großer Bahnhof: Gleich zwei DRK-Funktionäre, ein Amtsleiter und eine Kindergärtnerin stehen bereit, um sich und die Einrichtung von der allerbesten Seite zu zeigen. Eine Bestandsaufnahme von Lutz Mark.

Einst baute hier Adolf Nazi 1935, dann saß der hochgeheime Chef der sowjetischen Streitkräfte Mitteleuropas, General Matwei Burlakow, mit 70 000 Mannen in den Bunkern im Wald vor Berlin. Dann wurde für Millionen zum Verwaltungsstandort umgebaut. Doch niemand kam. So schlummerte es leer vor sich hin, bis endlich im Januar 2016 die ersten Flüchtlinge im wiederum neu umgebauten Häuser-Karree die ersten Flüchtlinge einzogen.  Billig war hier weder die Besatzungszeit, noch der Leerstand.

Und schon gar nicht die heutige Nutzung: die Erstaufnahme für Asylbewerber. Rechnet man die vielen Millionen auf die derzeit 505 Asylbewerber hoch, so kommt man auf astronomische Summen. Ob das gerecht oder sinnvoll ist, scheint hier bis auf die beiden Abgeordneten keinen zu kümmern.

Berliner Senat zahlt  11.000 Euro täglich an Brandenburg

Eigentlich ist hier Platz für bis zu 1.300 Flüchtlinge. Eigentlich. Bis zu 1.000 Asylsuchende wollten die Berliner schicken. Darauf hatten sich die Regierungen beider Länder geeinigt. Es gibt Familienzimmer, Spielplätze gesponsert von Rolls Royce und Mercedes, Fitnessräume, Fernsehzimmer, eine nagelneue Mensa mit täglich drei verschiedenen Gerichten, natürlich auch halal. Genau dort, wo vor mehr als hundert Jahren die erste deutsche Mosche aus Holz im Wald erbaut wurde. Der Kaiser hatte Bedarf an Dschihad-willigen Muslimen, die gegen Engländer und Franzosen kämpfen wollten. Heute ist es eher anders.

Der AfD-Abgeordete Thomas Jung (l.) besichtigt mit Frank Nürnberger (2.v.l.) und AfD-Kollegin Birgit Bessin (Mitte) die Erstaufnahme in Wünsdorf. Anstaltsleiter Dieter Loose (r.) zeigt die renovierten Altbauten (Bild: Lutz Mark)

80 % Muslime, 20 Prozent Christen, davon 272 Männer und ganze 21 aus Berlin kamen. Für die zahlt der Berliner Senat 11.000 Euro täglich an Brandenburg. Doch der Vertrag ist zum Sommer gekündigt. Was dann passiert ist unklar. Bis 2019 reicht der Vertrag mit dem DRK. Dann soll in Zweijahresschritten verlängert werden. Bestimmt auch kein schlechtes Geschäft für das Deutsche Rote Kreuz.

»Ja, der Verfassungsschutz ruft schon öfter einmal an, wenn er seine Leute vorbeischickt«

Es gibt eine Bücherei, gemeinsame Backaktionen mit Anwohnern, bei denen Friedenstauben-Plätzchen gebacken werden. Frank Nürnberger, zuständig für die Erstaufnahmen im Land, erklärt: »Es gibt eine Röntgenstation, die niemals in Betrieb ging.« Sie wartet in einem Container auf bessere Zeiten. Daneben eine Quarantänestation, bei der die Fenster offen stehen. Die Abgeordnete Birgit Bessin fragt nach: »Ist die Station besetzt?« Sechs Krätze-Fälle habe man derzeit. Warum die Fenster in der belegten Station weit offen stehen sagt Nürnberger nicht. Es gibt keine Kameras, Alkoholverbot für mehr als 15%-Prozentiges und eine Gruppe Schwarzafrikaner im Park, die um eine Flasche Schnaps sitzen.

Ein Sicherheitsmann auf einem Klapprad mit Funkgerät fährt darum herum. Die Somali wirken entspannt.  Erst die Aufnahme, dann die Party. Man ist bemüht, den Ball flach zu halten. Die Taschenkontrolle ist freiwillig. AfD-Innenexperte Thomas Jung will wissen, ob es Islamisten hier gibt? »Ja, der Verfassungsschutz ruft schon öfter einmal an, wenn er seine Leute vorbeischickt« antwortet Nürnberger zweckoptimistisch, als wenn er vom Kammerjäger spricht. Es gibt also nichts, was es nicht gibt. Nur Fingerabdruckskontrollen gibt es hier keine. Dafür von anderem eher mehr als genug. Vier Beamte brauche man allein für die Kleiderkammer. »Vier! So ist das mit den Sachleistungen«, meint Nürnberger nicht ohne Kritik. Eine teuere Veranstaltung. Es klingt gerade so, als würde er Sachleistungen verdammen.

Weitergereicht in Parallelgesellschaften

Wie hält er es bei aller Liberalität, angewandter Menschenwürde und Zweck mit der eher unwürdigen Kinderehe? Was passiere mit verheirateten Kindern hier? Das Gesetz, das die Nichtigkeit von unter 16jährigen Verheirateten erklärt, wurde vom Bundeskabinett beschlossen, soll noch vor der Sommerpause vom Bundesrat durchgewunken werden.

Für Nürnberger nur ein weitere Verwaltungsakt, »der erst umgesetzt werden müsste.« 63 Kinder leben hier. Aber sind davon welche betroffen? Er glaube nicht. Glaube. Mehr als 1500 waren es im letzen Jahr in Deutschland, davon 360 unter 14jährige. Warum sollten es ausgerechnet in Brandenburg keine geben? Keine Antwort, nur Glaube.

Zwei Monate seien hier im Schnitt die Personen, bis sie in die Kreise verteilt werden. Es klingt nach Durchschleusung. Doch es sind Menschen. Manchmal auch gefährliche. islamistische Tschetschenen habe man auch gehabt, ja. »Meist Großfamilien.« Aber die wollen die Kreise nicht. Was aber passiert mit streng nach Scharia erzogenen Menschen, die auf eine liberale, christliche Gesellschaft stoßen? Sie werden weitergereicht. Zum Problem anderer Leute gemacht. Oder abgelagert in einer Parallelgesellschaft. Hier sind sie nicht lange. Zwei Monate im Schnitt.

»Teuerer Leerstand, der uns zig Mrd kostet. Alles nur wegen einer völlig entgleisten Willkommenskultur.«

Einrichtungs-Leiter Dieter Loose  zeigt stolz eine Gruppenunterkunft: »Sechs Quadratmeter pro Person, sechs Betten.« Das sei Standard. »In Doberlug ist man bereits bei acht Quadratmetern.« Er klingt stolz. Ein Erfolg? Dabei ist diese Einrichtung nur zur Hälfte besetzt. Auch ein Erfolg?

Was treiben die Bewohner hier? Harald Albert Swik, Kreisvorsitzender des DRK  und alt eingesessenes SPD-Mitglied, meint: »Die fahren meistens nach Berlin.« Nur was machen sie dort? Vermutlich werden sie dort zum Problem anderer Leute. Regelmäßig kommt in Wünsdorf die Polizei vorbei. Prügeleien, Beleidigungen, Reibereien. Im Netto-Supermarkt ist mal wieder geklaut worden, eine Scheibe zerschlagen worden. Jetzt stehen dort Sicherheitsleute neben der Kasse. Alles leider eine Notwendigkeit, kein Verwaltungsakt.

Die Hauptstelle der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in Eisenhüttenstadt hat derzeit vier Außenstellen. 2016 standen 5500 belegbare Plätze zur Verfügung. 1627 Asylbewerber waren dort untergebracht. Auch die Folgeeinrichtungen, die von den Kommunen betrieben werden, sind bei weitem nicht ausgelastet. Mehr als 19.000 der knapp 36.000 Plätze standen Ende letzen Jahres leer. AfD-Mann Thomas Jung meint: »Teuerer Leerstand, der uns zig Mrd kostet. Alles nur wegen einer völlig entgleisten Willkommenskultur.«(LM)

 

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