Hintergrund

Es wird Zeit, sich von Facebook zu verabschieden (Bild: Metropolico.org)
16 Apr 2017

Alternativen zu »Zensur-book«

Facebook hat sich durch willkürliche und nun auch gezielte Löschung von Profilen zum Büttel des Gesinnungsterrors gemacht. Immer mehr Menschen wird klar, welchen Umfang die Zensur in sozialen Medien bereits angenommen hat und suchen nach Alternativen.

Nachdem Facebook – wie auch Twitter und Google – sich im letzten Jahr mit der Europäischen Kommission auf einen »Verhaltenskodex« geeinigt haben und Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) auf der nationalen Ebene die Meinungsfreiheit durch sein radikales Netzwerkdurchsuchungsgesetz (NetzDG) einhegnet (Metropolico berichtete), tobt nun der offene Kampf um die Oberhoheit über die sozialen Medien.

Gesinnungsterror auf Facebook

Diesem Gesinnungsterror sind mittlerweile Tausende von Facebook-Profilen zum Opfer gefallen. So hat Facebook letzte Woche in Frankreich im Vorfeld der anstehenden Präsidentschaftswahlen 30.000 Profile gesperrt – am Donnerstag wurde das komplette Profil des streitbaren libanesisch-deutschen Regisseur, Drehbuchautor und Fernsehjournalist, Imad Karim, von Facebook entfernt (wie Metropolico berichtete ).

Unbequeme Autoren wie Akif Pirinçci, Vera Lengsfeld, Imad Karim oder Cahit Kaya werden immer wieder durch Facebooksperrungen kaltgestellt. Die Internetseite »Wall of Shame« des prominenten Anwalt Joachim Steinhöfel, der ungerechtfertigte Facebook-Aktionen sammelt und veröffentlicht und aktuell ebenfalls von der Facebook-Zensur betroffen ist, zeugt bereits seit einem Jahr von der Zensurwut, die mehrheitlich regierungs-und medienkritische, aber in besonderem Maße islamkritische Einträge treffen.

Alternativen zu Facebook

Unter dem Motto: »Statt Frühjahrsputz gleich Umzug machen: So findet Ihr Alternativen zu Facebook«, hat sich der Internetblog Philosphia Perennis ebenfalls Gedanken gemacht, wie man den Spitzelnetzwerken von Facebook und Co. entkommen kann und zwei Alternativen samt Anleitung zur Immigration vorgestellt.

Zum einen mag das russische Portal Vk.com eine praktikable Alternative sein, auf dem auch Metropolico bereits seit Monaten vertreten ist. Des Weiteren scheint das Portal PRIKK.WORLD eine brauchbare Alternative zu sein, da die »Wahrung der Meinungsfreiheit an oberster Stelle« stehe und es dort grundsätzlich »keine Paralleljustiz« gebe, sondern nur wirklich illegale oder direkt pornographische Inhalte untersagt seien, so Philosophia Perennis. Wie in einem Rechtsstaat üblich, bestimme nicht das Portal, was illegal ist, sondern – sollte ein Post zur Anzeige gebracht werden – ein ordentliches Gericht. Zudem besitze PRIKK.WORLD über interessante Funktionen wie einen News-Teil, der auf »Nanny-Journalismus« verzichte oder eine kostenlose Crowdfunding -Funktion.

Dem Einwand vieler Facebook-User, durch einen Umzug zu einem anderen Portal seine komplette, über Jahre hinweg geführte Chronik zu verlieren, sei entgegen gehalten: Die Chronik gehört nicht Facebook, auch wenn das »soziale Netzwerk« eigenmächtig und selbstherrlich wie im Fall Imad Karim und tausend anderen dieses ohne Vorankündigung löscht.

Anleitung zur Immigration auf verlässlichere Netzwerke

Wie unkompliziert ein kompletter oder paralleler Umzug auf ein »verlässlicheres Netzwerk« mit samt aller Facebook-Postings- und Daten vonstattengeht, wird hier aufgezeigt:

Facebook-Archiv aufbauen

  • Facebook-Einstellungen öffnen
  • In Facebook anmelden und oben rechts das Einstellungs-Menü klicken.
  • Eintrag »Lade eine Kopie deiner Facebook-Daten herunter« anklicken

    Datenkopie in Facebook erstellen und herunter laden
  • Auf Anforderung von Facebook nochmals Archiv-Download bestätigen.
  • Klick auf »Mein Archiv aufbauen«, um das Archiv von Facebook erstellen zu lassen.
  • Ein Passwort eingeben und anschließend noch einmal auf »Mein Archiv aufbauen« klicken. Damit ist der Archiv-Download gestartet
  • Facebook bestätigt das mit einer Meldung und einem E-Mail an die bei Facebook hinterlegte Email-Adresse. Der Aufbau des Archivs kann jetzt eine Weile in Anspruch nehmen. Facebook sendet anschließend nochmal eine E-Mail mit dem Download-Link.
Bestätigung von Facebook

Daten in einem verlässlicheren Netzwerk einpflegen

  • Einen Account zum Beispiel bei PRIKK anlegen und einloggen
  • Öffnen der ZIP- Archive und dann Daten (Fotos, Bilder, Kommentare usw.) mit Copy&paste einpflegen

Zudem dass sich die Datenkrake Facebook nun auch noch zum Zensurportal gemausert hat, gesellt sich die zunehmende Unbeliebtheit des Internetriesen. Insbesondere bei Teenagern in Amerika gilt Facebook zunehmend als »uncool«. Bereits vor vier Jahren stuften nur noch 23 Prozent der jugendlichen Befragten Facebook als »wichtigstes« soziales Netzwerk ein.

Auch wenn – wie Imad Karim aktuell mitteilt, sein Facebook-Profil wie durch »Zauberhand« plötzlich wieder verfügbar ist: Es wird höchste Zeit, sich Gedanken über zensurfreie Alternativen jenseits von Facebook und Co. zu machen. (BS)

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