Kommentar

Kriminalstatistik (Symbolbild: Metropolico.org)
23 Apr 2017

SPIEGEL-verkehrt

Schlaglicht: Jedes Jahr im Frühling ist der Tag »Thomas d`s Verkündigung«, der Tag, an dem die Kriminalitätsstatistiken vom Innenminister mit viel Tamtam unters Volk geblasen werden. Und mit der Routine pavlowscher Hunde krähen meist jene Mitarbeiter des Spiegel-Verlags los und relativieren die Welt, als hätten sie im eher linksangehauchten Verlag deutlich zu viel Angst um ihren eigenen Arbeitsplatz.

Diesmal versuchen gleich zwei Statistik-Illusionisten nackte Zahlen so umzudeuten, dass man die »Angst vor Zahlen« glatt verlieren könnte. Es geht um die offensichtlich völlig eingebildete Tatsache, dass Kriminalität bei Zuwanderern gestiegen, die Gefahr für den Einwohner aber gesunken sei. Logisch? Nein? Macht nichts.

Im Duett müssen sich die beiden Schreiberlinge angesichts deutlichster Faktenlage beim Schreiben der Zeilen ähnlich vorgekommen sein, wie das Oberkommando der Wehrmacht in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Die Zahl der Straftaten ist von 6,33 Millionen auf 6,37 Millionen gestiegen. SPIEGEL: »Andererseits leben viel mehr Einwohner jetzt 82,8 Millionen im Land.« Da passiere dann natürlich auch mehr. Also gesamt gesehen, nicht für den Einzelnen, der ja vor und hinter seiner Haustür bloß nicht auf die Idee kommen soll, dass alle zehn Minuten ein Einbruch im Land nicht typisch deutsch sei. Es sei im Übrigen viel besser geworden. Denn ohne ausländerrechtliche Verstöße blieben nur 5,88 Millionen Straftaten, der so genannten »allgemeinen Kriminalität« übrig. Weniger, als vorher! Dass ausländerrechtliche Straftaten zum Großteil gar nicht mehr erhoben wurden, sagen die Verspiegelten nicht. Sie reden frech von einem »nüchternen Befund.«

Dann versuchen sie, die nüchternen Zahlen des BKAs zu beschönigen.  Das Amt schreibt: »Im vergangenen Jahr habe sich eine deutliche Zunahme der durch Zuwanderer begangenen Straftaten abgezeichnet.« Spiegelverkehrt erläutert seien das hauptsächlich Delikte wie Schwarzfahren und Diebstähle an anderen Asylbewerbern gewesen. Der Gutmensch unterscheidet hier zwischen Menschen, die man beklauen und vergewaltigen darf, und solche, die hier leben, frei nach dem Motto: Diese Asylbewerber kennen das doch eh nicht anders. Die haben doch damit untereinander eine gewisse Erfahrung, Kriminalität als Kulturstatus quasi. Alles normal. Bloß keine Phobien schüren, Bitte. Dass in den  bayerischen Asylbewerberunterkünften mehr als doppelt so viele Straftaten registriert wurden wie 2015, sagt zwar der Bayerische Innenminister. Aber was weiß der schon? In Baden-Württemberg sei 2016 jeder zehnte Tatverdächtige ein Asylbewerber gewesen. Mehr als die Hälfte der Körperverletzungen, bei denen Flüchtlinge als Tatverdächtige galten, seien in Asylheimen begangen worden. Heißt: Weniger als die Hälfte der Taten fand draußen ab, ihr Mädchen. Ziert euch nicht so. Oder wählt ihr die AfD?

Das wohl krudeste Argument kam vom niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius einem SPD-Mann. Es sagte: »Im vergangenen Jahr haben sich mehr Flüchtlinge ganzjährig im Land aufgehalten als 2015.« Was er damit meinte, bleibt völlig unklar. Zahlen seien nur Schall und na ja, Rauch ist vielleicht ein zu aufwühlender Begriff, meinte eine nicht genannte Sprecherin des Innenministers. Das sind immer die besten Quellen im SPIEGEL: eine anonyme Sprecherin, ein Anderer. Als ob man im Amt anonym sein kann! »Deutsche sind genauso kriminell,« tönt es aus der Spiegel Wochenschau. Ob damit auch die deutschen mit zwei Pässen gemeint sein könnten, oder die, die seit mehreren Generationen immer noch keinen deutschen Satz formen können, bleibt unklar.

Und kurz vor Schluss des Textergusses kommt noch der Jugend-Bonus ins Spiel: »Statistisch knifflig wird die Sache auch, weil von den rund 1,2 Millionen Asylsuchenden, die in den vergangenen beiden Jahren kamen, etwa ein Drittel junge Männer unter dreißig waren.« Aha. Sie wissen nicht, was sie tun. Die beißen nicht wirklich. Die spielen nur. Der Artikel schließt mit einer unleugbaren Erkenntnis, die nachwirken soll: Intensivtäter verderben die Statistik. Gemeint waren Georgier, die nur 0,6 Prozent der Zuwanderer ausmachten, aber 5 Prozent der Verdächtigen stellten. Die armen Georgier! Rassistisch und total verspiegelt!

 

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