Kommentar

Syrische Flüchtlinge im deutschen Sammler- und Jägerheer? (Symbolbild: Metropolico.org)
28 Apr 2017

Der OL und die fast-ID

Schlaglicht: Dass sich bei der Bundeswehr nicht nur die überzeugten Vaterlandsverteidiger am sicheren Sold erfreuen, ist ebenso altbekannt, wie die berühmten schwarzen Schafe, die es nun einmal im Querschnitt jeder Bevölkerung gibt. Oberleutnant Franco von der deutsch-französischen Brigade in Ilkirch ist da bestimmt keine Ausnahme im Jäger-und-Sammler-Bataillon.

Nur eine schillernde Figur mehr zwischen den vielen Ex-Generälen und Offizieren, die ohne Scham nach ihrem Ausstieg beim Staat in die Dienste privater Waffenhersteller gingen und seither dafür sorgen, dass Flugzeuge, die nicht fliegen, zehnmal soviel kosten, Helis nicht abheben und G-36-Gewehre teuer um die Ecke schießen. Die Möglichkeiten, Geld zu verdienen sind mannigfach und nicht immer sauber. Aber eben möglich.

So entschloss sich OL Franco für einen Nebenjob, weil es in Deutschland offenbar sehr einfach ist. Dachte er. Und er hätte es beinahe auch dauerhaft geschafft. Als syrischer Obsthändlersohn David Benjamin, Baujahr 88, verfolgter Christ aus Damaskus, gelang es ihm spielend, monatlich seit September 2015 in München rund 400 Euro steuerfrei zu kassieren. Er musste dazu noch nicht einmal ins Ausland oder Arabisch lernen. Die Spezialisten des BAMF erkannten ihn schneller an, als so manch anderen, der sich nicht so gut verständlich machen konnte. Und sein Bett in der Münchner Sammelunterkunft wurde eh nicht kontrolliert. Und das bei der Wohnungsnot in dieser Stadt.

Blöd für OL Franco nur, dass der Offenbacher seine Klappe nicht halten konnte. Wichtigtuerisch reiste er zu Offiziersbällen nach Wien und plapperte über sein nun nicht mehr geheimes zweites Ego so aufdringlich auch oft in den Telefonhörer, dass den Jungs vom militärischen Abschirmdienst bei ihren Routinekontrollen schon fast schwindelig wurde.

Eigentlich suchten die nach Islamisten bei der Bundeswehr. Stattdessen fanden sie einen schwäbischen Nicht-Syrer, der auch noch – wie offensichtlich viele beim Bund – einen fatalen Hang zu Schießinstrumenten pflegt. Und Ausländer nicht so gerne mag, obwohl er ja eigentlich zur Hälfte selber einer ist. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Franco versteckte eine illegale Waffe samt seiner Fingerabdrücke darauf  in einer Toilette am Wiener Flughafen Schwechat. Die wurde gefunden. Die Österreicher nahmen und verglichen die Fingerabdrücke – was den bayerischen Kollegen bei der Fremdenregistrierung offensichtlich nicht in den Sinn kam – und fanden  ihn: den Nicht-Syrer, der aber nicht da war, wo er sein sollte. Es folgte ein monatelanges Beobachtungsspiel.

Der SPIEGEL und ein paar Ermittler vermuten nun einen Rechtsradikalen. Soll diese Räuberpistole noch besser machen. Was hatte der Mann mit der Waffe vor? Jetzt überschlagen sich die Schlagzeilen a la „Wollte Neonazi bei der Bundeswehr Islamisten-Attentat vortäuschen?“ und dergleichen mehr. Doch den eigentlichen Skandal, wie einfach es in Deutschland ist, den schnellen Reibach als Flüchtling zu machen, übergehen die kritischen Journalisten.

Dass erst im Februar 2017 die Mittel für die flächendeckende Ausstattung von Fingerabdrucksscannern gegeben wurden, das ist der wirkliche Skandal. Und dass es noch bis mindestens Ende des Jahres dauert, bis die Geräte auch arbeiten und dann noch nicht einmal sichergestellt ist, dass die verschiedenen Systeme von AFIS über Eurodac fehlerfrei miteinander vernetzt werden, ist der nächste.

Der Kerndatenspeicher als Teil des Ausländerzentralregisters ist noch lange nicht komplett vernetzt, da in manchen Kommunen noch die Geräte fehlen. Bis dahin gehen – besonders für ungeleitete Jüngere  – noch ein paar Millionen Euro dahin. Wir sind aber doch Angela Merkels reiches Land. Und bis zum Beweis des Gegenteils heißt der ungenaue Fingerabdrucks-Schnellabgleich des BKA halt einfach fast ID. Eben nur fast.

E-Mail senden an:

oder Inhalt löschen