Deutschland

Die Söhne Mannheims (Bild: Screenshot Facebook)
08 Mai 2017

Söhne Mannheims und ihre »anti-staatlichen Aussagen«

Die »Söhne Mannheims« und deren Sänger Xavier Naidoo haben mit ihrem Lied »Marionetten« ein Heer von Schockierten zurück gelassen: Der SPD-Oberbürgermeister Mannheims ist so schockiert, dass er eine Erklärung ob der »antistaatlichen Aussage« von der Gruppe verlangt. Der öffentlich-rechtliche Sender Bremen-Vier ist derart schockiert, dass er selbstherrlich die Kooperation zum anstehenden Konzert beendet. Und die gesamte Mannheimer SPD samt Kreisvorstand will eine Erklärung, warum die »Vorzeige-Multi-Kulti-Band« solch einen Text verfasst. Die Einzigen, die sowohl die künstlerische Freiheit wie auch die darin implizierte Meinungsfreiheit hochhalten, scheinen die Söhne-Fans zu sein.

Skandal! Skandal! Wie konnten Sie nur – die Söhne aus Mannheim und ihr Obersohn Xavier Naidoo – einen solches Lied mit einem solchen Text veröffentlichen? Die Wellen schlagen hoch und höher rund um das Liedchen »Marionetten« und Gesinnungsmedien wie der Spiegel wetteifern bereits seit Tagen darum, wer den größeren Verriss zu bieten und wer dem unbequemen Xavier den finalen, medialen Todesstoß versetzen darf.

An vorderster Front mit dabei: der staatlich-finanzierte Oberblödmann Jan Böhmermann, der »eiskalt mit Naidoo und seiner Band abgerechnet«, indem er wieder einmal super mutig in die mit Zwangsgebühren gefüllte Trickkiste greift und aktuell mit seiner Band »Hurensöhne Mannheims« es dem Original so richtig zeigt, was staatlich subventionierte Zivil-Courage alles so kann.

Der staatliche Knüppel ist aus dem Sack

Oberbürgermeister der bandnamengebenden Stadt Mannheim, der SPD-Mann Peter Kurz, hat die Stadtsöhne zum Rapport gerufen. Beim einem– im ersten Zug durch die Band vorgeschlagenen Gespräch – will der SPD-Funktionär nun eine Erklärung, wie es zu solch »anti-staatlichen Aussagen« in Liedform kommen konnte.

Eine steife Brise der Entrüstung weht den Söhnen Mannheims auch vom öffentlich-rechtlichen Radiosender Bremen Vier entgegen. Schluss sei es mit der Kooperation beim kommenden Konzert, so der mit Zwangsgebühren bestens versorgte Bremen-Vier-Chef Helge Haas. Wer Verschwörungstheorien befeuere, den unterstütze »er« nicht.

Komplett erschüttert die gesamte Mannheimer SPD, die so gar nicht begreifen mag, wie die Vorzeige-Multi-Kulti-Band solche Texte verfassen und dann auch noch veröffentlichen konnte. Auch die Truppe vom SPD-Kreisvorstand will – in bester Stasi-Manier – eine astreine Stellungnahme und Erklärung, was sich die Gruppe so dabei gedacht hat.

Die Einzigen, die sowohl die künstlerische Freiheit wie auch die darin implizierte Meinungsfreiheit hochhalten, scheinen die Fans der Söhne zu sein:

Die Söhne-Fans scheinen sich noch zu erinnern, was Kunst- und Meinungsfreiheit einmal bedeutete (Bild: Screenshot Facebook)

Hier der Text des zum Abschuss freigegebenen Skandal-Liedes:

Wie lange noch wollt Ihr Marionetten sein
Seht Ihr nicht, Ihr seid nur Steigbügelhalter
Merkt Ihr nicht, Ihr steht bald ganz allein

Für Eure Puppenspieler seid Ihr nur Sachverwalter

Wie lange noch wollt Ihr Marionetten sein
Seht Ihr nicht, Ihr seid nur Steigbügelhalter
Merkt Ihr nicht, Ihr steht bald ganz allein
Für Eure Puppenspieler seid Ihr nur Sachverwalter

Und weil Ihr die Tatsachen schon wieder verdreht
Werden wir einschreiten
Und weil Ihr Euch an Unschuldigen vergeht
Werden wir unsere Schutzschirme ausbreiten
Denn weil Ihr die Tatsachen schon wieder verdreht
Müssen wir einschreiten
Und weil Ihr Euch an Unschuldigen vergeht
Müssen wir unsere Schutzschirme ausbreiten

Wie lange noch wollt Ihr Marionetten sein
Seht Ihr nicht, Ihr seid nur Steigbügelhalter
Merkt Ihr nicht, Ihr steht bald ganz allein
Für Eure Puppenspieler seid Ihr nur Sachverwalter

Aufgereiht und scheiternd wie Perlen an einer Perlenkette
Geht eine Matruschka weiter, ein Kampf um Eure Ehrenrettung
Ihr seid blind für Nylon und Fäden an Eueren Gliedern und
Hat man Euch im Bundestag, Ihr zittert wie Euere Gliedmassen
Alles nur peinlich und so was nennt sich dann Volksvertreter
Teile Eures Volks- nennt man schon Hoch, beziehungsweise Volksverräter
Alles wird vergeben, wenn Ihr einsichtig seid
Sonst sorgt der wütende Bauer mit der Forke dafür, dass Ihr einsichtig seid
Mit dem zweiten sieht man

Wir steigen Euch auf’s Dach und verändern Radiowellen
Wenn Ihr die Tür nicht aufmacht, öffnet sich plötzlich ein Warnung durch’s Fenster
Vom Stadium zum Zentrum eine Wahrheitsbewegung
Im Name des Zetters erstrahlt die Neonreklame im Regen
Zusammen mit den Söhnen werde ich Farbe bekennen
Eure Parlamente erinnern mich stark an Puppentheater
Ihr wandelt an Fäden wie Marionetten
Bis wir Euch mit scharfer Schere von der Nabelschnur Babylon’s trennen!
Ihr seid so langsam und träge
Es ist entsetzlich
Denkt, Ihr wisst alles besser
Und besser geht’s nicht, schätz ich
Doch wir denken für Euch mit und lieben Euch als Menschen
Als Volks-in-die-Fresse-Treter, stösst Ihr an unsere Grenzen
Und etwas namens Pizza gibt’s ja noch auf der Rechnung
Bei nährer Betrachtung steigert sich doch das Ensetzen
Und wenn ich nur einen in die Finger bekomme
Dann zerreiss ich ihn in Fetzen
Und da hilft auch kein Verstecken hinter Paragraphen und Gesetzen

Wie lange noch wollt Ihr Marionetten sein
Seht Ihr nicht, Ihr seid nur Steigbügelhalter
Merkt Ihr nicht, Ihr steht bald ganz allein
Für Eure Puppenspieler seid Ihr nur Sachverwalter

Es wirkt schon!

Das ganze hysterische Gekreische und politisch korrekte Empörungsgehabe scheint jedoch schon Wirkung zu zeigen: Die Söhne Mannheims lassen beim Auftakt ihrer Tour das schlimme, schlimme »Marionetten-Lied« mal lieber weg. (BS)

 

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